Solidarität und langer Atem

von Heinz Grabher

Die Reiz-MitarbeiterInnen posieren vor der Reiz-Fotowand mit Bundesbehindertenanwalt Dr. Erwin Buchinger für die Kamera. (von links: Benjamin Tschugmell, Erwin Buchinger, Elke Ender, Süleyman Kurt)
Die Reiz-MitarbeiterInnen posieren vor der Reiz-Fotowand mit Bundesbehindertenanwalt Dr. Erwin Buchinger für die Kamera. (von links: Benjamin Tschugmell, Erwin Buchinger, Elke Ender, Süleyman Kurt)

Am 27. Mai besuchte der österreichische Bundesbehindertenanwalt Dr. Erwin Buchinger Reiz – Selbstbestimmt Leben. „Es dauert in Österreich lange, bis sich die Lage für Menschen mit Behinderung positiv ändert. Es braucht einen langen Atem und starken Zusammenhalt der Behindertenorganisationen, aber es lohnt sich“, versuchte er die ReizlerInnen in ihrer Arbeit zu bestärken.

Arbeit für Menschen mit Behinderung
Beim Thema Arbeit für Menschen mit Behinderung liegt sein erster Schwerpunkt darin, Zugang zum Arbeitsmarkt zu schaffen. Als zweiten Schwerpunkt nennt er den Entgelt in Tagesstrukturen.
Süleyman Kurt will wissen, was gemacht werden kann, damit Menschen mit Behinderung, die in Werkstätten – sogenannten „therapeutischen Tagesstrukturen“ – arbeiten, eine Anstellung bekommen mit Gehalt und Versicherung, wie normal angestellte Menschen.
„Das ist ein Ziel von mir als Bundesbehindertenanwalt, und ein kleiner Schritt ist mittlerweile gelungen: die Betroffenen sind unfallversichert. Außerdem gibt es eine Arbeitsgruppe, die erste Vorbereitungen dazu entwickelt“, so Buchinger. Seine persönliche Einschätzung lautet: es wird fünf bis zehn Jahre dauern, bis die Menschen in „therapeutischen Tagesstrukturen“ wie Arbeiter behandelt werden.

Da die Verlängerung des Kündigungsschutzes nichts gebracht hat – es wurden nicht mehr Menschen mit Behinderung angestellt, wie die Befürworter prophezeit hatten – setzt sich Buchinger für eine deutliche Erhöhung der Ausgleichstaxe ein; z.B. auf 500,00 Euro monatlich.

Eine weitere Forderung Buchingers an das Sozialministerium ist die Entkoppelung der Pflegestufe von der Persönlichen Assistenz am Arbeitsplatz (PAA).
„Stattdessen muss ein individuelles Gutachten über die PAA entscheiden“, fordert Buchinger.

Barrierefreiheit
„Vorarlberg hat einen guten Ruf, sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen einzusetzen“, meint Buchinger. „Aber es gibt jetzt eine Verschlechterung bei den baulichen Verordnungen.“
Für Elke Ender ist das nicht nachvollziehbar. „Es sind 60,00 Euro pro Quadratmeter die beim Wohnungsbau einsparbar sind, was die Barrierefreiheit betrifft. Aber das bezahle ich doch gerne!“ Diese Verschlechterung betrifft nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch alle Seniorinnen und Senioren des Landes.

Buchinger bekräftigt: „Barrierefreiheit ist ein Mindeststandard und nicht etwas zusätzlich Gutes, das geleistet wird. Das muss allen Verantwortlichen bewusst gemacht werden.“ Stolz ist der Bundesbehindertenanwalt, dass an den Universitäten und Bauhandwerkerschulen das Pflichtfach ‚Barrierefreies Bauen‘ für Architekten und Baumeister endlich eingeführt wird. Eine Forderung seiner Tätigkeit, die erfüllt wird.

Die Arbeit des Monitoringausschusses würdigt Buchinger: „Marianne Schulze bringt viele Dinge ins Gespräch. Allerdings bewegt sich in den Ministerien dann nichts. Und hier wären die Behindertenverbände gefragt“, ermuntert Buchinger. „Bis jetzt braucht es in Österreich einen langen Atem in der Behindertenpolitik – ich spreche aus dreißig Jahren Erfahrung – aber man darf nicht verzweifeln.“

Er appelliert an die Solidarität der verschiedenen Behindertenverbände in Österreich. „Es ist wichtig, Verbündete in den Organisationen zu suchen. Hier ist die Zusammenarbeit der Behindertenverbände ganz wichtig. Das geschieht meiner Meinung nach noch zu wenig.“

Elke Ender dankt dem Bundesbehindertenanwalt für seine ideelle und emotionale Unterstützung und lädt ihn ein im nächsten Jahr wieder zu kommen. „Ja, den Krüppelball 2014 würde ich gerne besuchen“, lacht Buchinger, wünscht allen viel Energie und Erfolg für die weitere Arbeit.

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