Viele Barrieren und freundliches Personal

von Heinz Grabher

Ein Niederflurzug am Bahnsteig 1 in Bludenz. Claudia Fessler und Sueleyman Kurt warten in ihren Elektrorollstühlen auf dem Bahnsteig auf den Einstieg.
Ein Niederflurzug am Bahnsteig 1 in Bludenz. Claudia Fessler und Sueleyman Kurt warten in ihren Elektrorollstühlen auf dem Bahnsteig auf den Einstieg.

„Mobilität bedeutet für mich Freiheit“ sagt Claudia Fessler bei der Eröffnung der Veranstaltung „Öffentliche Verkehrsmittel – Erfahrungsberichte von Menschen mit Behinderung“ im Rahmen der Reiz-Punkte in Dornbirn. Beim Ergebnis der Diskussion waren sich alle einig: Das Personal ist freundlich und bemüht jeden Fahrgast mitzunehmen. Einige Barrieren machen die Benützung von Bus und Bahn für viele Menschen mit Behinderung jedoch zu einer unnötig spannenden Sache oder sogar unmöglich.

Zu wenig Platz im Bus, zu hohe Stufen, falsche Rampen, keine Gehsteige und vor allem zu wenig Sicherheit – sind einige Negativpunkte, die von den BenutzerInnen der öffentlichen Verkehrsmittel genannt wurden. Dabei wurde nicht übersehen, dass es in den vergangenen Jahren einige Verbesserungen gab. Dornbirns Bahnhof zum Beispiel wurde im Vorfeld der Gymnaestrada zu einem barrierefreien Terminal umgebaut. Doch wer als RollstuhlfahrerIn von Dornbirn nach Lauterach oder Altach will, kann zwar in Dornbirn einsteigen. Aussteigen geht aber nicht, da die Bahnsteige in den genannten Gemeinden nicht an die modernen Züge angepasst sind.

Dietmar Habisch vom Vorarlberger Blinden- und Sehbehindertenverband begrüßt die Verbesserung beim Ausstieg aus dem Zug. Bei Fernzügen z.B. wird seit einigen Monaten die Ausstiegsseite über Lautsprecher angesagt. Für blinde und sehbehinderte Menschen stellt die Stufe zwischen den Waggons der Nahverkehrszüge jedoch eine starke Behinderung dar.
Die Ansage der Haltestellen sollte auch in den Bussen gemacht werden. Außerdem sind die Türöffner in den Bussen nicht einheitlich platziert, was das Finden der Öffnungsknöpfe erschwert.

Claudia Fessler weist auf ein besonderes Problem beim Einsatz kleinerer Busse auf Nebenlinien hin: „Ich kann mit meinem Elektrorollstuhl über die Rampe in den Bus fahren – passe gerade hinein. Aber jetzt kann die Rampe nicht mehr eingeklappt werden. Und Kinderwagen darf dann auch keiner mitfahren.“ Eine mögliche Lösung sieht ein Teilnehmer darin, auf der 1. Sitzreihe Klappsitze anzubringen.

Heidi Mackowitz und Andrea Feldkircher von Mensch Zuerst – People First Vorarlberg berichten von Diskriminierungen und Beschimpfungen durch andere Fahrgäste. Lester Soyza vom Verein Füranand richtete einen Appell an alle Benutzer von Öffentlichen Verkehrsmitteln, in so einem Fall unbedingt den Busfahrer oder Schaffner zu informieren. „Es ist möglich etwas zu tun! Wir dürfen das nicht einfach hinnehmen. Der Busfahrer ist auch für die Sicherheit der Fahrgäste zuständig.“ Da Menschen mit Lernschwierigkeiten sich gegen aggressives Verhalten nicht so gut wehren können – wird die Einführung eines Zug- und Busbegleiter gefordert.

Die Veranstaltung wurde von Reiz – Selbstbestimmt Leben in Zusammenarbeit mit dem ÖZIV und Integration Vorarlberg organisiert. Die Erfahrungen werden in einem Positionspapier gesammelt und den Vorarlberger Verkehrsbetrieben überreicht.

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