Rückblick auf die Veranstaltung: Selbstverständlich oder Tabu

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Die Idee zur Veranstaltung „Selbstverständlich oder Tabu“ entstand bei der Planung des Herbstprogramms des Treffpunkt Dornbirn. Sexualität ist ein ständiges Thema in dieser Gruppe. So ergab sich in Koproduktion zwischen reiz.at und dem Treffpunkt der Vortrag und der Workshop.

Mit dem Referenten Dipl. Psych. Lothar Sandfort ist es uns gelungen einen selbst betroffenen Experten nach Vorarlberg zu bringen. Reiz.at sieht Sandforts Projekt ISBB in Trebel als Modell an dem wir uns orientieren und von dem wir lernen können.

Stationen der Veranstaltung

 Planung Sept.-Nov. 2003

  • Kontaktaufnahme mit Lothar Sandfort
  • Einladung an Betroffene, MitarbeiterInnen von Einrichtungen und andere Interessierte
  • Gespräche mit den PodiumsteilnehmerInnen
  • Öffentlichkeitsarbeit

Organisationsteam:

Josef Zengerle,  Andreas Guth,  Eberhard Zumtobel,  Christine Reichenhauser,  Barbara Guth,   Reinhard Zischg

Workshop, 26.11.2003, 14.00-18.00 Uhr - Blitzlichter

  • Begrüßung
  • Fragen der TeilnehmerInnen sammeln (26 TeilnehmerInnen)
  • Einleitung ins Thema durch L. Sandfort
    • Wir sind Teil von Systemen (Familie, Schule, Freundeskreis, etc) und wir wechseln zwischen den Systemen, natürlich sind auch Menschen mit einer Behinderung Mitglieder von Systemen.
    • Eine Familie mit einem behinderten Mitglied ist eine behinderte Familie (andersartig, meist ausgegliedert).
    • Wir sind beeinflusst durch unsere Persönlichkeit, durch die Gattung als Mensch und durch unsere Kultur - jedes dieser Systeme versucht zu überleben - es entsteht ein Spannungsfeld.
    • Partnerschaft und Sexualität bedeuten das Risiko verletzt und enttäuscht zu werden.
    • In den Köpfen der meisten Menschen besteht das Bild "Behinderten darf man kein Leid zufügen - Sie müssen beschützt werden“. „Behinderte leiden an ihrer Situation - Sie müssen geschont werden"
    • Leben in Einrichtungen (Schonraum mit „nicht normalen“ Erfahrungen).
    • Unterschied zum integrierten Leben (z.B. erlernen von gesellschaftlichen Regeln und Liebeskummer in der Pubertät).
    • Männer und Frauen sind anders - wichtig ist die Individualität des Anderen.
    • Selbstbestimmt Leben ist zentral beim Thema Partnerschaft und Sexualität.
  • Wie finde auch ich einen Partner?
    • Schaffe dir Ressourcen.
    • Sei kreativ, offen für deine Umwelt entdecke ihre Schönheiten.
    • Nimm deinen eigenen Körper an.
    • Entwickle deine Persönlichkeit.
    • Werde mobil.
    • Lebe selbstbestimmt.
    • Entwirf einen Plan des Lebens.
    • Stelle die Frage: welches Einkommen, welche Sicherheit kann ich bieten?
    • Sei ein wenig verrückt.
  • Liebesbrief und Gedicht von Süleyman Kurt mit anschließender Diskussion
    • Die Behinderung ist Teil des Menschen, auch sie macht mich attraktiv – so bin ich.
    • Die Behinderung gehört mit in die Beziehung, zur Partnerschaft und der Sexualität. Mitleid gehört nicht dazu.
    • Weil du behindert bist, bist du Krisenerfahren, schreibst du Gedichte.
    • Spastiker haben die schönsten Bäuche!
    • Behinderung ist ein Teil von uns, dies zu akzeptieren ist sehr wichtig.
  • Konzept von Trebel (Sexualbegleitung, Beratung, Erotik-Workshops)
    • Videofilm Ausschnitt: Nina de Vries bei ihrer Arbeit als Sexualbegleiterin
    • Derzeit gibt es vier Sexualbegleiterinnen und einen Sexualbegleiter in Trebel.
    • Die Ausbildung ist natürlich freiwillig und schließt mit einem Zertifikat ab.
    • In den Selbsterfahrungsseminaren wird die eigene Situation betrachtet und eine Auseinandersetzung mit Sexualität wird möglich.
    • Durch Erfahrungsaustausch unter den Betroffenen entsteht Solidarität und der Mut zur Auseinandersetzung mit dem Thema.
    • Die Akzeptanz und der Umgang mit dem eigenen Körper wird geübt.
    • In den Dates mit den Sexualbegleiterinnen können Menschen mit einer Behinderung erste Sexualkontakte ausprobieren.
    • Viele Betroffene, die sonst keinen Zugang zu Sex haben, können hier ihre Sexualität leben.

Weitere Themen waren:

  • Warum erweisen sich Kontakte zu Prostituierten oft schwierig.
  • Sexuelle Ausbeutung von Menschen mit Behinderung
  • Haftung bei Sex - Wie kann ich als BeraterIn unterstützen?
  • Wie können Menschen im Bereich Sex & Partnerschaft unterstützt werden?

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