Reiz schult MobilbegleiterInnen

von Heinz Grabher

Die MobilbegleiterInnen auf Probefahrt im Bus. Links im Bild Reizobmann Daniel Kolb.
Die MobilbegleiterInnen auf Probefahrt im Bus. Links im Bild Reizobmann Daniel Kolb.

„Dass Menschen mit Behinderung diesen Kurs leiten, nimmt uns die ganzen Berührungsängste. Das kann keine noch so gute theoretische Erklärung leisten“, war von den MobilbegleiterInnen zu hören. Sie sind seit April 2012 in Vorarlbergs Öffentlichen Verkehrsmitteln im Oberland und Bregenzerwald unterwegs.

Der Vorarlberger Verkehrsverbund bildet Mobilbegleiter aus für Hilfe, Information und Kontrolle in Bus und Bahn. Eine Ausbildungseinheit lautet: Der Umgang mit Menschen mit Behinderung. Daniel Kolb, Claudia Fessler und Süleyman Kurt stellten sich der Herausforderung und leiteten das Seminar im Ausbildungszentrum des Vorarlberger Verkehrsverbundes in Feldkirch.

Sie erklärten die unterschiedlichen Behinderungsarten – mit Schwerpunkt körperliche Behinderungen und gaben Anleitungen für einen stressfreien Umgang mit Menschen mit Behinderung. Eine Rollstuhlselbsterfahrung bildete den Abschluss des Seminars und ließ die Mobilbegleiter die Gefühle erahnen, die Menschen in Rollstühlen bei Busfahrten durchleben.

Im unteren Rheintal und in Dornbirn müssen die Fahrgäste auf diesen Service noch warten, denn der Gemeindeverband Unterland und der Stadtbus Dornbirn waren nicht mutig genug um MobilbegleiterInnen anzustellen.

Auszüge aus dem Seminar:
Süleyman Kurt erklärt den MobilbegleiterInnen, dass er als Spastiker kontrolliert werden soll, genauso wie jeder andere Fahrgast. „Manche Menschen mit Behinderung nützen die Behrührungsangst der Nichtbehinderten aus und fahren schwarz. Dieses Verhalten spielt auf den Behindertenbonus an. Das ist nicht in Ordnung. Wir wollen kein Mitleid, sondern gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft und dazu gehört auch ein gültiger Fahrschein.“

Die Mobilbegleiter lernen, dass auch ein Spastiker mit Sprachbehinderung gefragt und gehört werden kann. Dabei ist genaues Zuhören und Geduld gefragt. Süleyman Kurt macht das gleich vor – und er hat auch niemanden gebissen.

Bei der Selbsterfahrung im Bus gab es dann große Berührungsängste mit den Rollstühlen! Es wollte keiner der KursteilnehmerInnen in diese eisernen Beine hinein. Doch da gab es kein Pardon und endlich waren die Teams geformt.

Es wurden die Rampen bei den Bussen ausprobiert, Brems- und Kurvenmanöver geprobt – mit und ohne Anschnallen an die Haltevorrichtung. Bei einer starken Bremsung rutschte Claudia Fessler mit ihrem Stuhl ein Stück weit vor. Eine Sicherung ist deshalb sehr wünschenswert. Zumindest sollten sich die RollstuhlfahrerInnen rückwärts an die Polsterung lehnen, wenn eine vorhanden ist.

Richtiges Anleiten wurde geübt. „Auch wenn der Fahrplan zur Eile ruft, es ist wichtig, achtzugeben auf das, was der Rollstuhlfahrer sagt – nicht einfach herumhantieren am Rollstuhl“, erläutert Daniel Kolb. „Denn die Rollstühle sind unterschiedlich, da kann auch etwas kaputt gehen und das kann teuer werden.“

„Für die Zukunft wünschen wir uns weiter so in die Arbeit eingebunden zu werden und bedanken uns beim Vorarlberger Verkehrsverbund über das entgegengebrachte Vertrauen“, freut sich Daniel Kolb über die Einladung zur Seminarleitung.

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