Persönliche Assistenz ist keine Betreuung

von Heinz Grabher

Die AssistentInnen vom Infoabend. Im Vordergrund Leiterin Sabrina Nitz und Süleyman Kurt.
Die AssistentInnen vom Infoabend. Im Vordergrund Leiterin Sabrina Nitz und Süleyman Kurt.

Die Verantwortung liegt beim Mensch mit Behinderung. Er ist der Experte und weiß, was er von wem, wo, wann und wie benötigt. Er gibt die Anleitung dazu. Die Persönliche Assistenz stellt die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund, erfüllt die Arbeitsaufträge des Chefs und wird dafür bezahlt. Soweit die Theorie. Beim Reiz-Infoabend über Persönliche Assistenz diskutierten ein Dutzend Persönliche AssistentInnen und Assistenten über die Praxis.

„Das Leben mit Persönlicher Assistenz (PA) erfordert viel Einfühlungsvermögen. Von mir als Konsumentin der PA und von der Person, die Persönliche Assistenz leistet“, erklärt Sabrina Nitz. „Wir beide verbringen viel Zeit zusammen. Dadurch ist es möglich, dass das Arbeitsverhältnis in ein Freundschaftsverhältnis kippt. Und dann ist es wichtig die Rolle der Assistentin und auch meine Rolle genau anzusehen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.“

Es sind meistens Rollenverschiebungen, die zu Problemen in der Beziehung zwischen KundIn und Persönlicher AssistentIn führen. Hier ist es wichtig, die Grenze zum Anderen einzuhalten. „Ich habe als Betreuerin gelernt, was ich mit den PatientInnen machen muss“, erzählt Daniela, „jetzt muss ich mich zurücknehmen. Ich muss mich immer wieder erinnern, er ist mein Chef. Er gibt mir die Anleitung zur Arbeit.“

Neben der Machtverschiebung ist Zeit und Rhythmus ein wichtiger Faktor. Bei der PA geht es um die Zeit der KundInnen und nach ihrem Rhythmus. Das setzt auch gegenseitiges Verständnis voraus. Die PA muss sich an diese Zeit und diesen Rhythmus anpassen können, waren sich die TeilnehmerInnen einig.

Zu Konfliktsituationen kommt es bei so nahen Arbeitsverhältnissen immer wieder mal. Doch es gibt keinen Grund, gleich das Arbeitsverhältnis zu kündigen. Sabrina Nitz weiß ein Rezept: „Gespräche sind der Balsam für jede Beziehung, auch für die Beziehung von PA und KundIn. Es ist wichtig die Konflikte anzusprechen und darüber zu reden.“

Ausbildung zur Persönlichen Assistenz gibt es in Vorarlberg noch keine. Es gibt Seminare bei Reiz, die viermal jährlich stattfinden – für Persönliche AssistentInnen, damit sie die Grundgedanken der Arbeit verstehen lernen; – für KundInnen, damit sie lernen als Arbeitgeber aufzutreten.

Die nächste Veranstaltung ist am 11. Dezember, 19:30 – 21.30 Uhr im Seminarraum von Reiz in Dornbirn.
Leitung: Sabrina Nitz, lebt seit 10 Jahren mit PA, seit April 2010 Koordinatorin bei Reiz-PA
Anmeldung: pa@reiz.at oder 0664 88 44 5114

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