Partnerschaft, Sexualität und der eigene Körper.

von Heinz Grabher

An einer großen Tafel steht mit weißer Kreide das Wort Sexualbegleitung. Vor dieser Tafel sitzt die Workshopleiterin Vimala mit mehreren Teilnehmern - manche lachend, manche schmunzelnd.
An einer großen Tafel steht mit weißer Kreide das Wort Sexualbegleitung. Vor dieser Tafel sitzt die Workshopleiterin Vimala mit mehreren Teilnehmern - manche lachend, manche schmunzelnd.

Die Räume der Fachhochschule in Dornbirn waren überfüllt am 2. Oktober, als Dipl.-Psych. Lothar Sandfort vom Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter sein Referat begann. Das Interesse an dieser Fachtagung - es konnten nicht alle Teilnahmewünsche berücksichtigt werden - zeigt, wie wichtig und auch präsent das Thema Sexualität von Menschen mit Behinderung ist.

Lothar Sandfort vom Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter zeigte an Beispielen aus seiner Arbeit am Institut auf, was unter Sexualbegleitung zu verstehen ist: Bedürfnisse und Wünsche Betroffener ernst nehmen, Möglichkeiten schaffen, mit Unterstützung von SexualbegleiterInnen den eigenen Körper und Sexualität zu erfahren und zu reflektieren und langfristig Unterstützung beim Aufbau auch erotischer Beziehungen zu bieten.

Eindringlich wies er auf zwei Aspekte hin: Die Machtposition, die Betreuungspersonen in Institutionen haben, indem sie Wünsche und Bedürfnisse als solche wahrnehmen oder tabuisieren, indem sie die Selbstbestimmung auch in diesem Bereich stärken oder hemmen und zweitens die Wichtigkeit der Zusammenarbeit: „Sexualbegleitung für Menschen mit Lernschwierigkeiten sollte immer in Kooperation mit der für die behinderte Person zuständigen Betreuungsperson erfolgen", so Sandfort. Humorvoll - wenn auch ganz ernst gemeint - machte er darauf aufmerksam, dass auch Menschen mit Behinderung das Recht auf „begleiteten" Liebeskummer haben, dass sie lernen, dafür zu sorgen, attraktiv zu sein, dass sie sich bemühen, dass sich jemand in sie verliebt und dass dies auch scheitern kann.

Dr. Aiha Zemp schnitt mit ihrem Referat „Weil das alles weh tut mit Gewalt" den großen Tabubereich von sexuellem Missbrauch an. Mittels empirischer Studien zeigte sie auf, dass Missbrauch und Übergriffe auch in Institutionen - die als vermeintlich sicher gelten - vorkommen; häufig ausgeübt von männlichen Bewohnern, die die gesellschaftlichen Rollenbilder übernehmen. Besonders Frauen berichten von negativen Erfahrungen mit Sexualität, positive Erfahrungen sind weitaus seltener. Für Zemp zählt die Aufklärung zur wichtigen Aufgabe aller ErzieherInnen zur Vorbeugung von Gewalt. Sie plädiert dafür, die Menschen zu stärken, ihnen bewusst machen, dass der Körper ihnen gehört und attraktiv ist. Dass sie auch lernen „Nein" zu sagen, angenehme und unangenehme Berührungen zu unterscheiden und dies auch zeigen können.

Auf dem Marktplatz konnten sich die TeilnehmerInnen über die Vorarlberg Angebote informieren: Mit „Pfefferoni", einem Angebot des IfS in Kooperation mit dem Füranand gibt es Treffpunkte zum Kennenlernen und Gelegenheit, sich näher zu kommen. Die „Schatzkiste" ist eine Partnervermittlung von Menschen mit Lernschwierigkeiten - von Freundschaft bis zur großen Liebe.

Obfrau Sabrina Nitz und Projektkoordinator Reinhard Zischg vom Vorstand verstärkt durch die MitarbeiterInnen Claudia Fessler und Süleyman Kurt präsentierten den Verein Reiz-Selbstbestimmt-Leben. „Auf Grund der großen Interesses überlegt sich der Verein ein Seminar zur Ausbildung von SexualbegleiterInnen zu organisieren. Es gab bereits mehrere konkrete Anfragen an uns, wobei wir Adressen nennen konnten", berichtet Reinhard Zischg. Sexualberatung bildet ein Schwerpunkt des Peer-Counselings und wird in Zukunft vermehrt angeboten werden. Mit Andreas Guth und Angela Kreil hat der Verein zwei kompetente Peer-Berater zu diesem Thema zur Verfügung.

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