Die schwierigsten Barrieren sind im Kopf

von Heinz Grabher

Claudia Fessler fährt mit ihrem Rollstuhl mit offensichtlichem Spaß über die Rampe in den Zug "Talent".
Claudia Fessler fährt mit ihrem Rollstuhl mit offensichtlichem Spaß über die Rampe in den Zug "Talent".

Laut Paragraf 6 Abs. 5 Behindertengleichstellungsgesetz bedeutet „barrierefrei“, für Gebäude oder Verkehrsmittel, dass sie „… grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“ Dies betonten die Referenten einer Diskussionsveranstaltung des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie über Barrierefreie Mobilität in Bregenz. Und sie zeigten auf, wie die Österreichischen Verkehrsbetriebe die Barrierefreiheit bei der Mobilität im öffentlichen Verkehr umzusetzen versuchen.

Das Verkehrsministerium hat dazu zusammen mit der ÖBB einen Etappenplan zur Umsetzung der Barrierefreiheit festgelegt. Bis 2015 sollen alle Bahnhöfe barrierefrei eingerichtet werden, die eine Frequenz von mehr als 2000 Personen pro Tag aufweisen oder in einer Landes- bzw. Bezirkshauptstadt sind. In Vorarlberg werden die Bahnhöfe von Bregenz, Lustenau, Hohenems, Rankweil, Götzis, Lauterach Mitte und Lauterach West, Hard/Fußach und Nendeln umgebaut.

Robert Possenig von der ÖBB wundert sich, dass das Bundessozialamt kaum Beschwerden über Diskriminierung bei der Mobilität in Vorarlberg zu schlichten hat. Und er ruft die Betroffenen auf: “Bitte melden Sie sich. Wir brauchen Ihre Rückmeldungen, damit wir wissen wo die Barrierefreiheit bei der Mobilität noch verbessert werden muss.“

Gelobt von Allen wird der Railjet. „Er wurde geplant und konzipiert zusammen mit allen Behindertenorganisationen in Österreich“, berichtet Franz Andel, zuständig für Barrierefreies Reisen bei der ÖBB. Doch trotz modernster technischer Einrichtung kommt es immer wieder zu Beschwerden. Dazu meinte Andel: „Die schwierigsten Barrieren sind im Kopf. Und unser Unternehmen hat Tausende MitarbeiterInnen. Da dauert es, bis alle Barrieren abgebaut sind. Ich bitte um Geduld.“

Süleyman Kurt, Claudia Fessler und Benjamin Tschugmell diskutierten bei dieser Veranstaltung mit. Sie wissen nun, dass im Zug „Talent“ das Bordpersonal Hilfe beim Ein- oder Ausstieg leisten muss. Und wenn kein Zugbegleiter an Bord ist, dann ist der Lokführer dafür verantwortlich. Der Betroffene muss sich über die Notrufsprechstelle bei ihm bemerkbar machen.

Der Geschäftsführer des Vorarlberger Verkerhrsverbunds, Christian Österle, entschuldigt sich für die zu hohen Fahrscheinautomaten in den Bussen und bittet die Betroffenen die Hilfe des Fahrers in Anspruch zu nehmen. Er weiß, dass das nicht Barrierefreiheit im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes bedeutet. „Die Busse werden laufend verbessert“, verspricht er. So gibt es mittlerweile auch geräuschpegelabhängige Lautstärkeeinstellungen bei den akustischen Ansagen. Und für die ländlichen Regionen soll es in Zukunft „Low Entry Fahrzeuge“ geben.

Wir freuen uns schon darauf!

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