Das war der ÖAR Informationstag 2015

von Heinz Grabher

Elisabeth und Julia beim ÖAR-Tag in Wien. Tasche, Trinkflasche und Schreibmaterial auf dem Tisch. Im Hintergrund andere SeminarteilnehmerInnen in Erwartung des Eröffnungsreferates mit und ohne Blick aufs Handy.
Elisabeth und Julia beim ÖAR-Tag in Wien. Tasche, Trinkflasche und Schreibmaterial auf dem Tisch. Im Hintergrund andere SeminarteilnehmerInnen in Erwartung des Eröffnungsreferates mit und ohne Blick aufs Handy.

Elisabeth Ha, Julia Fischbach und Heinz Grabher besuchten am 9. September den Nationalen Informationstag des ÖAR in Wien. Das Motto lautete: „Lasst mich tun! Leben im Sinne der UN Behindertenrechtskommission“. Alle Referate hatten Persönliche Assistenz zum Thema. Kernaussagen bei den Diskussionen: Geld ist genug vorhanden, aber es wird falsch verteilt.

Es herrschte Einigkeit beim Nationalen Informationstag des ÖAR. Persönliche Assistenz ist ein wichtiger Bestandteil bei der Umsetzung der UN-Konvention für Menschen mit Behinderung. Sie wurde gelobt vom Bundesminister Rudolf Hundsdorfer. Sie wurde versprochen vom Salzburger Soziallandesrat Heinrich Schellhorn. Sie wurde gefordert von den VertreterInnen der Selbstbestimmt Leben Bewegung Österreichs, Martin Ladstätter, Roswitha Schachinger sowie Dorothea Brozek. Gute Beispiele wurden präsentiert von Karin Astegger. Und Persönliche Assistenz fand Eingang im Zukunftsmodell des Generalsekretärs der Lebenshilfe Österreich Albert Brandstätter.

Einig waren sich die ReferentInnen auch über die Frage der Finanzierung: es ist genug Geld vorhanden, es muss nur richtig verteilt werden.

Über die Geschwindigkeit der Umsetzung bzw. Einführung der Persönlichen Assistenz gingen die Meinungen jedoch weit auseinander. Dorothea Brozek als Betroffene hat eine klare Haltung: „Wir leben jetzt und wollen jetzt mit Persönlicher Assistenz leben!“ Sozialminister Hundsdorfer sieht noch viele Granitsteine auf dem Weg zu einer einheitlichen Persönlichen Assistenz im Freizeitbereich und meint es wird noch viele Diskussionen geben. Der Salzburger Soziallandesrat wird am 1. März 2016 ein vielversprechendes Pilotprojekt in seinem Bundesland starten. Albert Brandstätter meint, bis zur Verwirklichung seines Modelles werden sicher noch zwanzig Jahre vergehen.

Der Bundesminister wird die Arbeitsgruppe zum Thema „Bundeseinheitliche Regelung Persönliche Assistenz“ wieder einberufen. Er ist auch bereit die Persönliche Assistenz im Freizeitbereich zu regeln, wenn die Bundesländer bereit sind die Finanzierung zu gewährleisten.

Eine Auswahl an Zitaten:

Zum Einkommen für Menschen mit Behinderungen meinte der Generalsekretär der Lebenshilfe Albert Brandstätter: „Statt einem skandalösem Taschengeld in den Werkstätten muss ein normales Gehalt bezahlt werden.“

Roswitha Schachinger, Geschäftsleiterin der Wiener Assistenzgenossenschaft verweist auf den Artikel 4 der UN Behindertenkonvention: „Der Föderalismus in Österreich darf nicht dazu führen, dass die UN-Konvention nicht umgesetzt wird.“

BIZEPS-Obmann Martin Ladstätter legt in seiner Polemik offen: „Es ist genug Geld vorhanden. Nicht mehr Geld braucht es, sondern richtig verteilt muss es werden!“

Auch Soziallandesrat von Salzburg Heinrich Schellhorn fordert Verteilungsgerechtigkeit und mehr Finanzierung seitens der Politik. „Geld ist vorhanden, es muss nur richtig verteilt werden. Das weiß auch der Bundesminister und hat Martin Ladstätter eindrücklich aufgezeigt.“

Erich Girleck, Leiter des SelbstvertreterInnen-Büros der Lebenshilfe Salzburg meint, dass man Menschen mit Behinderung durchaus mehr zutrauen sollte: „Es braucht keine spezielle Persönliche Assistenz für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Auch Menschen mit körperlicher Behinderung haben lernen müssen, mit PA umzugehen.“

Geschäftsführerin von Brozek Power Consulting Dorothea Brozek appelliert an alle Menschen mit Behinderung, eine kämpferische Haltung einzunehmen: „Ich will für Persönliche Assistenz, für ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit und Würde kämpfen. Wir verlangen nichts Unmögliches! Diese Haltung müssen wir leben!“

ÖAR-Präsident Klaus Voget: „Das Problem ließe sich in kürzester Zeit lösen. Inhaltlich muss nicht mehr diskutiert werden, ja es gibt viele gut funktionierende Modelle. Aber es fehlt seit Jahren der politische Wille. Die verantwortlichen Politiker schieben die Zuständigkeiten hin und her. Das ist ein Länder – Bund – Flipperspiel.

Wir dürfen uns nicht auf Papier verlassen! Damit meine ich den NAP. Wir müssen etwas tun und der Politik Beine machen!“

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